Kapitel 6 – Zwei Masten, drei Bäume und jede Menge Kleinkram

Die Rungholt besitzt zwei Masten: den Fockmast und den Hauptmast. Dazu kommen drei Bäume. Die Masten bestehen aus Aluminiumprofilen, die zunächst gereinigt, auf Länge gebracht und mit zahlreichen Bohrungen versehen werden mussten.

Bei den kleinen Bohrungen ging es um Durchmesser zwischen 1,5 und 2,5 Millimetern. Besonders die schrägen Bohrungen für die Wanten verlangten Aufmerksamkeit. Ich baute mir zunächst eine Vorrichtung, um den gewünschten Winkel von ungefähr 15 Grad einzuhalten. In der Praxis stellte sich heraus, dass ich mit etwas Gefühl teilweise besser freihändig zurechtkam.

Auch die stehende Takelage musste vorbereitet werden. Die Drahtenden wurden mit kleinen Quetschhülsen zu Schlaufen verarbeitet. Dafür verwendete ich ein preiswertes Crimpwerkzeug von Parkside, das überraschend gut funktionierte. Zum Vercrimpen von Kabelschuhen - dem eigentlichen Zweck dieses Werkzeugs - ist es nämlich völlig ungeeignet.
Die Drähte mussten durch kleine Bohrungen im Mast geführt werden. Zunächst übte ich an einem Stück, bevor ich mich an den eigentlichen Mast wagte. Unter der Lupenleuchte gelang es schließlich, den Draht durch die 1,8-Millimeter-Bohrung zu führen.




Manchmal ist ein Problem eben nur so lange ein Problem, bis man sich hinsetzt und es ausprobiert. Die Masten wurden zunächst provisorisch aufgestellt. Mit Hilfsleinen prüfte ich, ob sie gerade standen und ob die vorgesehenen Drahtlängen passten. Als Referenz verwendete ich den Türrahmen im Keller. Ob der wirklich exakt im Lot stand, habe ich nicht überprüft – für eine erste Sichtkontrolle reichte es.

Die endgültigen Wanten wurden anschließend montiert und gespannt. Dabei war es wichtig, den Mast immer wieder zu kontrollieren. Zu viel Spannung auf einer Seite hätte ihn aus seiner Position ziehen können.

Wenn die Drahtschlaufen richtig saßen und die Spannung stimmte, entstand beim Anzupfen ein deutlich hörbarer Ton. Ein gleichmäßiges „Zuuuummmm“ war für mich ein gutes Zeichen und der Startschuss zum Vercrimpen der Befestigungsösen am Deck. Die überstehenden Drahtenden wurden gekürzt und mit Schrumpfschlauch abgedeckt, damit keine scharfen Spitzen zurückblieben.




Dann kamen die Segel an die Reihe. Sie waren bereits genäht, als ich das Modell übernahm. Ob sie noch aus dem ursprünglichen Bausatz stammten oder ein Vorbesitzer sie bearbeitet hatte, weiß ich nicht mehr sicher.

An den Ecken mussten Verstärkungen und kleine Messingnieten angebracht werden. Die Bauanleitung empfahl, die Löcher mit einem Lötkolben einzubrennen. Ich verwendete stattdessen eine Lochzange. Die ersten Nieten gelangen nicht besonders gut. Erst nach einigen Versuchen hatte ich verstanden, wie die Scheiben richtig angedrückt und mit dem Hammer sauber verformt werden mussten. Zwei Nieten landeten schließlich auf der Ausschussliste.



Noch ärgerlicher war, dass ich bei der Reihenfolge nicht überall richtig nachgedacht hatte. Beim Focksegel waren die Nieten bereits gesetzt, bevor ich bemerkte, dass der Vorliekdraht für die Befestigung zuerst eingeführt werden musste. Also bohrte ich einige Nieten wieder aus und setzte sie später neu.

Der Bausatz enthielt nur eine genau abgezählte Menge. Ich musste zusätzliche Messingnieten bestellen und konnte die Arbeit erst nach deren Lieferung abschließen.

Beim Schonersegel unterlief mir ein Fehler, der sich nicht mehr vernünftig korrigieren ließ. Der Befestigungspunkt des Baums lag bei ungefähr 37 Zentimetern statt bei den vorgesehenen 47 Zentimetern – zehn Zentimeter zu hoch. Ich habe mir die falsche Zahl gemerkt! Der Baum stand dadurch zu waagerecht und kam dem hinteren Mast zu nahe. Ich kürzte ihn, damit er nicht mehr anstieß.

Das war keine ideale Lösung, aber ich entschied mich, damit zu leben. Vielleicht würde sich die falsche Position auf das Segelverhalten auswirken, vielleicht würde sie in der Praxis kaum auffallen.

Shit happens!




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