Kapitel 5 – Was fehlt, wird eben selbst gebaut

Zwei Teile fehlten mir von Anfang an: das Beiboot und die Ankerwinde. Beide hatte mein Vereinskollege für seine eigene Atlantis behalten. Beim Beiboot musste ich nicht lange nach einer Lösung suchen. Ich fand auf Cults3D eine passende STL-Datei. Nach dem ersten Ausdruck stellte sich heraus, dass das Modell zu klein war. Also vergrößerte ich es um 15 Prozent und druckte eine zweite Version.

Die passte deutlich besser. Das Beiboot wurde in Resin gedruckt, weiß lackiert und in die Farbgestaltung der Rungholt integriert. Auch die Messingdetails durften nicht fehlen. Die mitgelieferten Ruder waren ebenfalls verwendbar.

Für die Sitzbänke nutzte ich ein Stück des vorhandenen, furnierten Sperrholzes. Ich schliff die Rückseite ab, bis eine dünne Schicht echten Holzes übrig blieb, schnitt die Bänke daraus zu und lackierte sie.

Auch der Bootsständer musste neu angefertigt werden, weil der ursprünglich vorgesehene Ständer nicht richtig passte. Die Ankerwinde war eine andere Geschichte. Hier wollte ich nicht irgendein beliebiges Zubehörteil montieren. Die Winde sollte optisch zur Atlantis passen und sich harmonisch in das Deck einfügen.




Also setzte ich mich nach vielen Jahren wieder an Fusion 360. Ich sah mir Tutorials auf YouTube an, probierte Funktionen aus und arbeitete mich schrittweise in die Konstruktion ein. Schließlich gelang es mir, eine eigene Ankerwinde zu modellieren. Ich orientierte mich an den Abmessungen des ursprünglichen Bausatzteils und ergänzte Details wie das Bandbremsband, Sechskantmuttern und ein kleines Bedienfeld mit Knöpfen und Schaltern.



Aus dem CAD-Modell exportierte ich eine STL-Datei und druckte die Winde auf meinem Resin-Drucker. Der Körper wurde weiß lackiert, die Metallteile erhielten ihre entsprechenden Farben. Für das Bremsband verwendete ich einen Farbton namens „Burnt Steel“, wie er auch im Modellbau für Flugzeugtriebwerke verwendet wird.

Bei der ersten Konstruktion gab es noch eine Verbesserung. Eine gespiegelte Version passte besser zur vorgesehenen Einbausituation. Also druckte ich auch diese Variante. Die Winde wurde so gelungen, dass ich sie bei einem Vereinsabend zeigte. Einige Kollegen interessierten sich dafür und wollten ebenfalls eine haben. Also druckte ich weitere Exemplare.



Das war ein schönes Gefühl. Aus einem fehlenden Bausatzteil war eine eigene Konstruktion geworden, die nicht nur meinem Modell zugutekam. Die Rungholt bekam damit Teile, die nicht einfach aus dem Karton stammten, sondern aus meinen eigenen Ideen entstanden waren.


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