Kapitel 9 – Zwei Akkus, ein Bordnetz und viele Kabel
Ich wollte den Fahrmotor und die RC-Anlage getrennt versorgen. Ein Motor kann beim Anlaufen oder unter Last einen hohen Strom ziehen. Wenn dabei die Versorgungsspannung einbricht, möchte ich nicht riskieren, dass gleichzeitig die Steuerung ausfällt.
Deshalb bekam der Motor einen eigenen NiMH-Akku mit sechs Volt und 3600 mAh. Für Empfänger, Ruder und Segelwinde war ein zweiter NiMH-Akku mit sechs Volt und 4900 mAh vorgesehen. Ich entschied mich bewusst gegen LiPo-Akkus. Die vorhandenen RC-Komponenten stammten aus einer Zeit, in der sechs Volt eine wichtige Bezugsgröße waren. Ich wollte die alte Technik nicht unnötig mit höheren Spannungen belasten.
Unter dem mittleren Aufbau entstand ein kleines Schaltpult. Auf der einen Seite lagen die Komponenten des Fahrstromkreises, auf der anderen die RC-Anlage. Beide Bereiche bekamen eigene Hauptschalter, Ladeanschlüsse und Spannungsanzeigen.
Als Träger verwendete ich eine transparente Kunststoffplatte. Die Öffnungen für die Schalter bohrte ich, die rechteckigen Ausschnitte für die XT60-Ladebuchsen feilte ich passend aus. Die Spannungsanzeigen befestigte ich später mit M2-Schrauben. Sie sollten durch die Fenster des mittleren Aufbaus sichtbar bleiben, damit ich die Akkuspannungen kontrollieren konnte, ohne das Schiff öffnen zu müssen.
Der Rumpf selbst war geräumig. Die eigentliche Schwierigkeit waren die relativ kleinen Öffnungen im Deck. Sie schränkten den Zugang zu den tiefer liegenden Bereichen ein. Kabel mussten an Stellen geführt werden, die ich mit den Händen kaum erreichen konnte.
Die Akkus sollten tief im Schiff unter dem Mittelaufbau liegen. Um die Kabel samt Kabelbaum hinter die seitliche Verkleidung zu bekommen, legte ich die Akkus zunächst ins Vorschiff. Dann bewegte ich das rund 15 Kilogramm schwere Schiff vorsichtig hin und her, bis die Leitungen hinter die Verkleidung rutschten und sich entlang des Rumpfes legten. Danach setzte ich beide Akkus an ihre endgültigen Plätze unter dem Mittelaufbau.
Man könnte sagen, ich habe die Kabel nicht eingezogen, sondern eingeschüttelt. Die elektrischen Komponenten befestigte ich zunächst mit doppelseitigem Klebeband, die Akkus mit Klettband. Mit der Funktion war ich zufrieden, aber die Akkuhalter wollte ich später noch verbessern.
Dafür konstruierte ich eigene Halter in Fusion 360. Da die beiden Akkus nicht völlig identisch sind, musste ich zwei unterschiedliche Halter entwerfen. Sie wurden ausgedruckt, weiß lackiert und mit „Fahrakku Rungholt“ beziehungsweise „RC-Akku Rungholt“ beschriftet.
Auch die Deckabdeckungen sollten verschraubt werden. Dafür fertigte ich kleine Halter für M3-Muttern an. Eine hintere Abdeckung war im ursprünglichen Plan nicht vorgesehen, weil dort der absenkbare Hilfsantrieb saß. Ich verwendete ein Stück vorhandenen transparenten Kunststoffs, schliff die Oberfläche an und passte es als Abdeckung ein.
Die Abdeckungen sollten den Innenraum vor gröberen Spritzern schützen. Eine vollkommen wasserdichte Abdichtung hatte ich allerdings nicht geschaffen.






